Der Einstieg ist unscheinbar. Eine Kiesfläche, ein Schild, ein paar in den Fels getretene Stufen. Nach zehn Metern abwärts wird die Luft an deinen Armen kühl, so plötzlich, als wäre nebenan eine Tür aufgegangen, und der weiße Glast von oben bleibt hinter dir.
Unten stehen die Wände an manchen Stellen so eng, dass du beide gleichzeitig anfassen kannst. Auch der Schall ändert sich. Draußen zieht der Wind jedes Wort weg, hier wirft der Fels es zurück, und der Kies unter den Schuhen knirscht doppelt so laut. Der Canyon ist der einzige Ort in dieser Gegend, an dem du der Sonne für eine Stunde ausweichen kannst.
- Länge
- etwa 1 kmbegehbar in ganzer Länge
- Tiefe
- bis zu 30 meingeschnitten vom Tsauchab
- Engste Stelle
- rund 2 mWand zu Wand
- Lage
- rund 4 kmvon der Siedlung Sesriem, gleich beim Parktor
- Zeitbedarf
- eine gute Stundehin und zurück, mit Fotostopps länger
- Eintritt
- im Parkpermit enthaltenzahlbar am Sesriem-Tor
Sechs Riemen an einem Eimer
Sesriem ist Afrikaans und heißt sechs Riemen. Der Name geht auf die Dorslandtrekker zurück, Buren, die im neunzehnten Jahrhundert mit Ochsenwagen durch dieses Land zogen und Wasser suchten, wo es keins gab. In der Schlucht gab es welches. Nur lag es tief. Ein Seil, das bis hinunter reichte, hatten sie nicht dabei.
Also schnitten sie Riemen aus Oryxhaut, knüpften sechs davon aneinander und ließen einen Eimer hinunter. Sechs Riemen: So lang war der Weg zum Wasser, und so hieß der Ort fortan. Aus einer Maßangabe wurde ein Ortsname, und der gilt heute für die Siedlung, das Parktor und die Schlucht.
Wie alt das Gestein ist, und warum die Angaben auseinandergehen
Die Wände bestehen aus Konglomerat, also aus altem Flussschotter: Sand, Kies und gerundete Steine, von Kalk zusammengebacken. Wann diese Schichten entstanden sind, dazu widersprechen sich die Quellen deutlich. Die deutsche Wikipedia beschreibt tertiäre Sedimentgesteine und setzt sie auf etwa fünf Millionen Jahre. Mehrere Geologie- und Reisequellen nennen dagegen 15 bis 18 Millionen Jahre für die Ablagerung des Kalkrete-Konglomerats, aus einer Zeit, in der die Namib feuchter war als heute.
Beim Canyon selbst liegen die Angaben näher beieinander. Der Tsauchab hat sich vor zwei bis vier Millionen Jahren in diese Schichten eingeschnitten, ausgelöst durch die Hebung des Kontinents, die dem Fluss mehr Gefälle gab. Die deutsche Wikipedia nennt für die reine Erosion einen Zeitraum von rund zwei Millionen Jahren. Das passt größenordnungsmäßig zusammen. Woher der Fluss kommt und warum er die Pfanne von Sossusvlei fast nie erreicht, steht bei der Entstehung der Namib.

Das Wasserloch und wer davon lebt
Wasser führt der Canyon unregelmäßig, meist nach starkem Regen weiter oben im Einzugsgebiet. Eine Stelle jedoch ist dauerhaft gefüllt. In einer Landschaft, in der es sonst keine offene Wasserfläche gibt, macht das aus ihr einen Treffpunkt, und Tiere kommen dorthin trinken.
Am ehesten siehst du Klippschliefer, gedrungene Tiere von der Größe eines Murmeltiers, die auf den Vorsprüngen sitzen und bei Annäherung in eine Spalte verschwinden. Paviane hörst du meistens, bevor du sie siehst. In Löchern der Felswände nisten Vögel, quer durch den ganzen Canyon, und gelegentlich liegt am Morgen eine Schlange auf warmem Stein.
Wann du hingehst
Der Canyon liegt rund vier Kilometer von der Siedlung Sesriem entfernt, gleich beim Parktor. Keine 60 Kilometer Anfahrt, kein tiefer Sand, kein Aufbruch im Dunkeln. Ein eigenes Ticket brauchst du nicht, das Permit vom Sesriem-Tor deckt den Canyon mit ab. Genau deshalb ist er der Programmpunkt für die Stunden, in denen die Dünen nichts hergeben.
Steht die Sonne senkrecht, verlieren die Grate ihre Kanten und das Rot wird stumpf. Unten in der Schlucht ist das egal. Für den Kilometer hin und zurück brauchst du eine gute Stunde, mit Fotostopps anderthalb. Der Grund ist loser Kies mit Felsstufen dazwischen, ein paar Blöcke musst du übersteigen, und Sandalen halten das nicht durch.
Unser TippNimm den Canyon für die Mittagshitze oder den späten Nachmittag, nicht für den Morgen. Der Morgen gehört den Dünen, und mittags liegt hier unten Schatten, während oben auf der Kante keiner ist. Zwei Dinge gehören mit: Wasser und geschlossene Schuhe, auch für diese eine Stunde.
Häufige Fragen zum Sesriem Canyon
Woher hat der Sesriem Canyon seinen Namen?
Sesriem ist Afrikaans und heißt sechs Riemen. Die Dorslandtrekker mussten sechs aus Oryxhaut geschnittene Riemen aneinanderknüpfen, um mit einem Eimer an das Wasser unten in der Schlucht zu kommen. Aus dieser Maßangabe wurde der Name für die Siedlung, das Parktor und den Canyon.
Wie lange braucht man für den Sesriem Canyon?
Der Sesriem Canyon ist etwa einen Kilometer lang. Für den Weg hinunter, durch die Schlucht und zurück reicht eine gute Stunde, mit Fotostopps werden anderthalb daraus.
Ist der Sesriem Canyon im Parkeintritt enthalten?
Der Sesriem Canyon liegt im Namib-Naukluft-Park und ist mit dem Permit abgedeckt, das du am Sesriem-Tor bezahlst. Ein eigenes Ticket brauchst du nicht, die Gebühren stehen im Abschnitt zu den Kosten auf der Seite zum Praktischen.
Wann lohnt sich der Sesriem Canyon am meisten?
Der Sesriem Canyon ist der Programmpunkt für die Mittagsstunden und den späten Nachmittag, also für die Zeit, in der die Dünen am Sossusvlei flach und farblos aussehen. Unten in der Schlucht liegt dann Schatten, oben auf der Kante nicht.
Gibt es im Sesriem Canyon Wasser?
Der Sesriem Canyon führt unregelmäßig Wasser, meist nach starkem Regen im Einzugsgebiet des Tsauchab. Eine Stelle ist dauerhaft gefüllt, und dort kommen Tiere trinken.
